finkStory

Die traurige Wahrheit über RECYCLING Papiere

Nachhaltigkeit hinterfragt

Nachhaltigkeit hinterfragt - finkNEWS 01-2018

Ein nachhaltiges Produkt ist ein Produkt, das einen sinnvollen und vernünftigen Bedarf erfüllt und gleichzeitig hinsichtlich ökologischer und sozialer Aspekte verantwortlich hergestellt wurde.

Es ist erschreckend, welche Materialien auf dem deutschen und weltweiten Druckmarkt zur Verfügung stehen. Mit Mineralöl belastete Farben oder giftiges Recyclingpapier findet sich in Materialien, denen keine Beachtung geschenkt wird. Es war somit an der Zeit, unserem Gewissen etwas „Frischluft“ zu verpassen. Was dabei herausgekommen ist? Unser 100% lokal®- Konzept. Dieses zielt nicht nur auf eine effiziente Produktion ab, sondern auch auf ein modernes Werteverständnis: Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Umweltschutz, Wirtschaftsförderung in der eigenen Region und Gemeinwohl.

Wir sind stolz darauf, die erste Druckerei Deutschlands zu sein, die Ihnen das 100% lokal® Zertifikat anbieten kann. Daher haben wir uns den Begriff 100% lokal® und auch das Logo schützen lassen.

Industrie 4.0 ist ein spannendes Thema, das auch bei uns in diesem Jahr ansteht. Einige Prozesse werden intern verändert, um die immer größer werdende Informationsflut zu bündeln und allen Mitarbeitern bei jedem Produktionsschritt transparent zugänglich zu machen.

100lokal circle compressor

AUSBLICK
Neue Technologien

Viele Druckereien haben im letzten Jahr massiv in die UV- oder LE-UV-Technologie investiert. Warum der FINK lieber auf Nachhaltigkeit anstatt den neuen Trend setzt:

Die UV-Technologie an sich ist nichts Neues. Endlos-, Verpackungs- oder Plastikdrucker setzen seit Langem auf diese Technologie - mit den schon lange bekannten Quecksilberdampflampen. Akzidenzdrucker haben diese Technik aus guten Gründen vermieden. Durch schnellere Trocknungszeiten als im konventionellen Offsetdruck, ist im immer schnelllebigeren Druckgeschäft der UV-Druck jetzt doch auf dem Vormarsch. Druckbögen können sofort weiterverarbeitet werden anstatt mehrere Stunden durchtrocknen zu müssen. Das klingt zuerst nach einem großen Vorteil.

Nach genauerem Betrachten dieser trendigen Technologie haben wir uns jedoch dagegen entschieden.

Der wesentliche Unterschied von konventionellen und UV-Farben liegt im Trocknungsprozess. Konventionelle Druckfarben, wie wir sie einsetzen, trocknen durch das Wegschlagen der (pflanzlichen) Öle und die Aufnahme von Sauerstoff. Bei UV-Farben muss eigentlich von Härtung, nicht von Trocknung gesprochen werden. Energiereiche UV-Strahlen lösen in UV-Farben eine blitzschnelle chemische Reaktion aus, die eine sofortige Härtung der UV-reaktiven Substanzen zur Folge hat. Der Photoinitiator bildet freie Radikale. Dies ist der Start der Polymerisation, der die flüssige Farbe in eine feste Schicht überführt. Nach der Zündung der Quarzröhre in der UV-Entladungslampe entsteht ein Hochspannungsbogen zwischen den Elektroden, das Quecksilber verdampft im Quarzkolben. Aus dem angeregten Zustand des Quecksilberdampfes entsteht das UV-Spektrum.

Mittlerweile gibt es zwar auch Low-Energy-Lampen mit Spezial-Filtern, aber auch hierfür müssen hochreaktive Druckfarben eingesetzt werden (vorzugsweise in Japan entwickelt und hergestellt). Das Thema Ozonbildung wird sehr unterschiedlich dargestellt. Fest steht nur, dass sowohl beim Trocknen von UVFarben als auch LED-UV-Farben Ozon entsteht.

UV-LEDs haben eine lange Lebensdauer, jedoch sollten die Lampen bereits bei einer Leistung von etwa 70% getauscht werden, da sonst die Durchhärtung der Farben nicht mehr gewährleistet ist. UV-Farben können nicht mehr nachtrocknen. Auch die Scheuerfestigkeit ist dann nicht mehr gegeben.

Hier liegt der große Vorteil bei konventionellen Druckfarben, da ihre Scheuerfestigkeit mit der Zeit sogar zunimmt.

Materialien wie Walzen oder Drucktücher müssen speziell für den Einsatz beim UV-Druck umgerüstet werden, da sie mit der Chemie in der Umgebung in Wechselwirkung treten können. Sind die Verbrauchsmaterialien nicht kompatibel, quellen diese auf und es kommt zu einem Qualitätsverlust der Druckerzeugnisse. Einmal gequollene Walzen und Drucktücher können nicht mehr verwendet werden und müssen ersetzt werden.

Die Haltbarkeit der UV-Druckfarben ist meist für sechs Monate garantiert. Die Konformität für Lebensmittel- Verpackungen ist mit diesen Farben nicht gewährleistet. Eine UV- bzw. LED-UV-Drucksache eignet sich nicht für den direkten oder indirekten Kontakt mit Lebensmitteln! UV-Farben und Waschmittel enthalten Stoffe, die reizend auf Haut und Augen wirken können. Hautkontakt mit flüssiger UV-Farbe muss vermieden werden, der Umgang muss mit Handschuhen und Augenschutz erfolgen. Bis auf Weiteres kommen Druckplatten mit Entwicklungs-Chemie zum Einsatz. Im Kombibetrieb sind UV-Einheit und Ausleger penibel von Puder zu befreien, da sich dieser auf Reflektoren und Lampen einbrennt, weshalb diese ersetzt werden müssen. Durch aufgewirbelten Puder kann es zu einer Staubexplosion kommen.

Die stark riechenden UV-Farben besitzen zwar keine flüchtigen, organischen Verbindungen, dafür aber Zusatzstoffe, die das Potenzial haben, lebende Organismen zu schädigen. Daher darf nichts davon ins Abwasser gelangen, da die Gefahr von Gewässerverschmutzung besteht. Langfristige Folgen für Mensch und Umwelt sind schwer einzuschätzen. Es wird empfohlen, einen speziellen Spind für die im UV-Prozess eingesetzte Arbeitskleidung bereitzustellen.

Nicht gehärtete Makulaturbögen müssen separat entsorgt werden und dürfen nicht ins Altpapier- Recycling gelangen. Ein De-Inken (Entfärben von bedrucktem Papier für die Überführung in den Recycling- Kreislauf) ist nicht möglich.

Da uns unsere Mitarbeiter, die Gesundheit der Endverbraucher und unsere Natur am Herzen liegen, kommt für uns diese Technologie mit dem Stand von heute nicht in Frage. Wir haben daher in die Entwicklung einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Produktion investiert.

FAQ 100% lokal®
Die häufigsten Fragen zu unserer neuen Marke

Was bedeutet Nachhaltigkeit für meine Druckprodukte?

Wir achten bei unserer 100% lokal® Produktion darauf, dass alle unsere Partner, die im Umkreis von rund 100 Kilometern erreichbar sind, eine saubere, gesundheitsfreundliche und ökologische Produktion betreiben. Wir garantieren für eine Herstellung, die mit unserer Natur im Einklang steht und legen Wert auf Gesundheit und Umweltschutz. Sie erhalten dann ein umweltschonendes und lokal hergestelltes Druckprodukt.

Welche Vorteile ergeben sich noch durch die nachhaltige 100% lokal® Produktion?

Wir setzen auf Regionalität und stärken somit auch die lokale Wirtschaft und Infrastruktur. Wir wollen Arbeitsplätze in der Region erhalten und nicht aus Billigländern beziehen. Produkte werden unter anderem direkt im Biosphärengebiet Schwäbische Alb für uns hergestellt, nicht im Ausland. Unsere Lieferanten und deren Mitarbeiter könnten Ihre Kunden oder Bekannten sein. Dieser Kreislauf ist unser Ziel. Für sehr viele Verbraucher in der Lebensmittelbranche ist das Thema Nachhaltigkeit und Regionalität besonders wichtig. Zeigen Sie Ihren Kunden, dass nicht nur Ihr Produkt selbst, sondern auch dessen Verpackung, Flyer und Broschüren diesen Anforderungen konsequent entsprechen.

Was wird bei der nachhaltigen 100% lokal® Produktion alles berücksichtigt?

Die komplette Prozesskette. Es beginnt mit der Produktion unserer Formproofs und Druckplatten. Es kommen spezielle, umweltfreundliche und gesundheitsunbedenkliche Druckfarben zum Einsatz. Dies wäre aber noch nicht zu Ende gedacht. Unsere Waschmittel, Gummitücher, Maschinen, Reinigungsmaterialien, Verpackungen, Paletten, Handschuhe, Etiketten und Folien, welche mit dem Druckprodukt in Kontakt kommen, sind 100% lokal® zertifiziert. Den größten Anteil hierbei macht natürlich das Papier aus.

Kann ich nur Recycling-Papier verwenden?

Nein - im Gegenteil. Recycling-Papiere können nie 100% lokal® zertifiziert sein. Begründet in der hohen Nachfrage an Recycling-Papieren müssen die Papierhersteller in Deutschland auf Altpapier aus dem Ausland zurückgreifen. Dieses Altpapier wird mit sehr viel Aufwand an Energie, Wasser und Chemie zuerst gereinigt und von Farben befreit. Niemand kann garantieren, dass Recycling-Papiere frei von Mineralölen oder Quecksilber sind, weil schon die erste Druckproduktion nicht „sauber“ war. Durch die ständige Weiterentwicklung sind wir in der Lage, ein breites Spektrum an hochwertigen Papieren anzubieten. Die Bandbreite reicht von preiswerten Naturpapieren über Bilderdruckpapiere bis hin zu exklusiven und haptisch hochwertigen Feinstpapieren.

Was hat 100% lokal® mit dem Gemeinwohl zu tun?

Das Gemeinwohlprinzip besagt, dass die Produktion der Ware mehrere Themen berücksichtigen muss: Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung. Kurz: ein Modell, welches nicht nur auf den eigenen Profit ausgelegt ist, sondern auch auf die Menschen achtet, die mit der Herstellung zu tun haben. Hier sorgen wir für hohe Transparenz und Menschlichkeit.

Ich lasse meine Drucksachen schon in einer regionalen Druckerei herstellen. Ist die Produktion dann schon nachhaltig?

Nein, aber der erste Schritt ist schon getan. Alle Druckereien beziehen Ihre Papiere und sonstigen Verbrauchsmaterialien aufgrund der Globalisierung aus allen Ländern dieser Erde. Das hat nichts mit Nachhaltigkeit und Regionalität zu tun. Wenn Sie nachhaltige Druckprodukte wollen, fragen Sie direkt nach, woher die Bedruckstoffe, Druckfarben oder verwendete Verbrauchsmaterialien kommen.

Wie sieht es mit dem CO2-Fußabdruck aus?

Wenn wir allein den CO2-Fußabdruck betrachten würden, wären sämtliche Produktionen deutscher Firmen mit einer schlechten Wertung behaftet. Das liegt am Strombezug, da in Deutschland ein Strommix aus fossilen, atomaren und erneuerbaren Energien ins Netz gespeist wird. So hat Deutschland 8 Kernkraftwerke ohne Rückbau- oder Stilllegungsprojekte und über 50 Kraftwerke aus fossilen Energieträgern.

Da wir für unsere 100% lokal® Produktion sämtliche Materialien aus einem kleinen Umkreis beziehen, wird keine Farbe über den Ozean geflogen oder Papier mit dem LKW durch Europa gefahren. Dadurch hinterlassen wir den kleinstmöglichen CO2-Fußabdruck. Als Beispiel: Druckereien ohne Lokalprinzip müssen für die Druckfarbe eine Strecke von rund 6.000 km überwinden, um diese z.B. aus Indien nach Deutschland einzufliegen. Drucklacke kommen oft aus den über 6.500 km entfernten USA, Papiere werden mitunter aus Portugal oder Norwegen mit dem LKW durch halb Europa transportiert. Zu Lasten der Umwelt und lokal arbeitenden Unternehmen.

Durch unsere Investitionen in hocheffiziente Druckmaschinen konnten wir eine energetische Einsparung von 35% bewirken und haben als zusätzlichen Ausgleich den Einsatz von 100% Ökostrom in unserer Produktion veranlasst.

Ist die nachhaltige Produktion teuer?

Nein. Aus unserer Erfahrung heraus können wir sagen, dass unsere 100% lokal® Produktion nicht wesentlich teurer ist. Der Preis steht und fällt hier mit dem entsprechenden Papier, dessen Anteil am Endprodukt 25% - 55% ausmacht. Wünschen Sie ein lokales und zusätzlich auch noch FSC®-zertifiziertes Papier, kommt der übliche Aufschlag für die FSC®-Zertifizierung hinzu.

Wie kann ich meine Kunden darauf aufmerksam machen, dass meine Druckprodukte 100% lokal® hergestellt sind?

Sie können das 100% lokal® Logo und auf Wunsch auch eine passende Erklärung auf Ihrem Produkt abbilden. Gleich dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber! Ob ganz klein im Impressum oder als „grüner Hinkucker“, das entscheiden Sie.

Irgendjemand muss mit Verantwortung mal anfangen